Die Verbraucherstimmung bewegt sich zwischen Pessimismus und Pragmatismus, Sparzwang und Schnäppchenjagd, so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Leiter des BAT Instituts. „Alles, was das Leben bisher angenehm und erlebnisreich machte, wird vorübergehend eingeschränkt. Aus- und Essengehen, Ausflüge und Reisen sind für viele Bürger keine Selbstverständlichkeiten mehr". An der positiven Grundeinstellung „Freizeit ist den Deutschen lieb und teuer" hat sich zwar nichts geändert; aber zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch: Den Erlebniskonsum in der Freizeit muss man sich auch leisten können.
Jugendliche schränken ihre Kinobesuche ein (2001: 44 Prozent - 2002: 40 Prozent), Singles gehen weniger in die Kneipe (43 Prozent /39 Prozent), Paare reduzieren ihre Restaurantbesuche (37 Prozent/34 Prozent) und Familien mit Kindern machen weniger Wochenendfahrten (18 Prozent/11 Prozent). Konsumintensive Freizeitangebote bekommen die Knappheit der Haushaltsbudgets am meisten zu spüren. Das bequeme und gedankenlose Konsumieren stößt an seine finanziellen Grenzen. Lebensnotwendige Ausgaben für den täglichen Bedarf (Essen, Trinken, Kleidung und Körperpflege) sowie laufende Ausgaben für Miete, Versicherungen und Schuldentilgung lassen wenig Spielraum für frei verfügbare Freizeitbudgets.
Die Verbraucher verhalten sich zurückhaltend und verlagern einen Teil ihres Erlebniskonsums in die Zukunft - von der Urlaubsreise über die Ausgaben für Hobby und Sport bis hin zum Autokauf. Mit der sinkenden Kaufkraft verringert sich die Kaufbereitschaft, während gleichzeitig der Nachholbedarf wächst. „Der Trend zum Erlebniskonsum hat seinen Zenit überschritten", so Professor Opaschowski. „Der Ereignischarakter von Freizeitbeschäftigungen kostet zu viel Geld. Jetzt ist wieder mehr Eigeninitiative gefragt und auch die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen."
Das Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden wird wieder wichtig: Mit
Kindern spielen (2001: 25 Prozent - 2002: 26 Prozent), Heimwerken (21 Prozent/23
Prozent) und Gartenarbeit (39 Prozent/43 Prozent). Gekauft wird das, was notwendig
ist. Von Kaufrausch keine Spur, von Konsumaskese aber auch nicht. Freizeit bleibt
Konsumzeit. Aber gelebt wird mehr nach dem Grundsatz: „Ich muss nicht
immer Geld ausgeben."
Und eine neue Erfahrung stellt sich ein: Konsum konsumiert Zeit. Wer viel konsumiert, gerät schnell in Zeitnot. Wer hingegen weniger konsumiert, kann mehr den eigenen Zeitwohlstand genießen. „Seinen Gedanken nachgehen" (2001: 34 Prozent - 2002: 36 Prozent) ist schließlich kostenlos zu haben. So bleibt mehr Zeit für sich - und vielleicht auch für andere.
[ts- Aus der TASPO v. 10.Jan.2003]